Die zehn goldenen Regeln für Autoren

Manchmal ist es für einen Autor gar nicht so einfach, sich im Urwald, der sich Schriftstellerei nennt, zurechtzufinden. Hinter jeder Biegung des Weges lauern neue Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat, und über kurz oder lang kommt man irgendwo raus, wo man eigentlich gar nicht hinwollte, oder sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.
Doch keine Sorge: Wir haben Ihnen einen kleinen Kompass zusammengestellt, der Ihnen dabei hilft, auch durch dichtestes Blättergewirr hin zur erfolgreichen Fertigstellung Ihres Manuskripts zu navigieren.

1. Wissen, wohin der Weg führt
Kennen Sie das? Sie haben eine großartige Idee für einen Roman, beginnen mit voller Begeisterung zu schreiben, Ihnen fallen immer wieder neue Szenen ein, mit denen Sie Ihre Geschichte bereichern können, aber irgendwann stellen Sie fest, dass Sie sich verzettelt haben. Sie verlieren die Lust und Ihr Werk landet unvollendet im Papierkorb.
Fehlte Ihnen möglicherweise das Ziel? Wussten Sie einfach nicht, wo Ihre Geschichte hinsteuert? Sie sind gewiss nicht die/der Erste, der/dem es so ergeht. Um Ihren Roman zu einem Abschluss zu bringen, müssen Sie von Anfang an wissen, wo die Reise hingeht. Versuchen Sie es doch mal damit, das Ende Ihrer Geschichte zuerst zu schreiben. Sie müssen keine ausgefeilte Endversion Ihres letzten Kapitels vorlegen, aber die groben Umrisse müssen stehen und von diesen sollten Sie auch nicht abweichen. Prüfen Sie lieber während des Schreibens immer wieder, ob Sie sich noch auf der Zielgeraden befinden oder in einer Sackgasse gelandet sind.

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2. Der erste Eindruck
Um einen Roman fertig zu schreiben, ist es wichtig, das Ziel zu kennen. So ähnlich geht es auch dem Leser, der oft anhand des ersten Eindrucks entscheidet, ob er ein Buch bis zum Ende lesen möchte oder nicht. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Stellen Sie sich das ein wenig wie ein Vorstellungsgespräch vor: Sie wollen jemanden – in diesem Fall Ihre Leser – von sich, beziehungsweise von Ihrer Geschichte überzeugen. Und so wie der Personaler sich schon nach ein paar Minuten sicher ist, ob Sie ins Unternehmen passen, so ist sich auch der Leser nach den ersten paar Zeilen sicher, ob er das Buch mag oder nicht.
Also seien Sie kreativ! Feilen Sie so lange an Ihrem Einstieg herum, bis Sie selbst zu 100 % damit zufrieden sind. Sie sollten ihn auch in ein paar Monaten noch gut finden, wenn Sie Ihr Manuskript, mit viel Abstand, zur Überarbeitung nochmal in die Hand nehmen.

3. Figuren ausarbeiten
Ihre Figuren tragen durch die Geschichte. Mit ihnen lachen und weinen Ihre Leser, sie fiebern mit ihnen mit und regen sich darüber auf, wenn einer der Charaktere etwas offensichtlich Dummes tut. All dies macht eine Geschichte lebendig. Geben Sie Ihren Figuren Ecken und Kanten, das lässt sie erst interessant werden. Der Held Ihrer Geschichte ist langweilig und flach, wenn er immer das Richtige tut. Verpassen Sie ihm ruhig eine richtige Macke. Gräbt er zum Beispiel alles an, was nicht bei drei auf den Bäumen ist? Natürlich darf er dabei zuckersüß und harmlos sein, aber sorgen Sie dann dafür, dass diese Eigenschaft seinen Kameraden so richtig auf die Nerven geht, weil er sich einfach nicht losreißen kann.
Er könnte sich aber auch immer wieder bewusst in Lebensgefahr begeben, wo es eigentlich völlig unnötig ist. Lassen Sie es ruhig darauf hinauslaufen, dass er durch sein Verhalten die Mission gefährdet. Das erzeugt dann zusätzliche Spannung.

Hat Ihre Geschichte einen Bösewicht? Dann machen Sie die Motivation hinter seinem Handeln plausibel. Sie muss nicht nobel sein, aber sie muss all seine Handlungen erklären können. Strebt er vielleicht immer nur nach maximalem Profit und alles andere ist ihm egal? Oder möchten Sie sich an einem psychologischen Experiment versuchen? Dann stellen Sie doch ein bestimmtes Erlebnis in der Vergangenheit als Motivation hinter die Handlungen des Antagonisten. Vielleicht wagen Sie sich ja auch an eine Kombination aus beidem?
So wichtig die Ausarbeitung der Hauptfiguren auch ist, vernachlässigen Sie darüber nicht Ihre Nebencharaktere. Sie sind das sprichwörtliche Salz in der Suppe und es ist wichtig, dass sie sich voneinander unterscheiden. Machen Sie sich also schon vorab Gedanken darüber, welche Eigenschaften Ihre Figuren haben sollen und notieren Sie diese, sodass Sie immer wieder überprüfen können, ob eine bestimmte Handlungsweise zur entsprechenden Figur auch passt.
Achten Sie auch besonders darauf, Ihren Figuren unterschiedlich klingende Namen zu geben. Für Ihre Leser ist es einfacher, Anna und Josefine auseinander zu halten als Albert und Albrecht.

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4. Perspektive
Damit ein Buch gern gelesen wird, muss dem Leser immer klar sein, wer gerade spricht. Halten Sie also konsequent die Erzählperspektive durch. Natürlich dürfen Sie aus der Sichtweise verschiedener Figuren erzählen, aber bitte wechseln Sie nicht mitten im Absatz von einem Kopf in den nächsten. Seien Sie konsequent: Wenn Sie eine Szene aus der Perspektiver einer Figur begonnen haben, dann halten Sie das auch so durch und machen Sie den Wechsel der Perspektive auch am Text deutlich, indem Sie mit Absätzen arbeiten. Ein schöner Nebeneffekt davon ist, dass Sie auch sehr schnell merken, wenn Sie zu dicht aufeinander immer wieder die Perspektive wechseln. Haben Sie sehr viele sehr kurze Absätze in Ihrem Text, sollten Sie ihn überarbeiten und konsequenter bei einer Perspektive bleiben.

5. Lieblingswörter
(Fast) jeder Autor hat seine Lieblingswörter. Sie sind klein, unscheinbar und fallen erst auf, wenn man den Text als Ganzes liest. Oft bemerkt sie der Autor auch selbst gar nicht. Verbreitet sind dabei Wörter wie „schien“ und „sagte“. Durchsuchen Sie Ihre Texte gründlich nach Ihren Lieblingswörtern. Ihre Leser werden es bemerken, wenn Sie in jedem zweiten oder dritten Satz ein „schien“ eingebaut haben oder nach einer wörtlichen Rede immer „sagte“ steht. Wie wäre es, wenn Lars nicht nur zu zittern schien, sondern tatsächlich vor Angst zitterte? Oder Clara „vor Wut brüllte und mit dem Fuß aufstampfte“, anstatt nur „das finde ich total blöd“ sagte? Ganz nebenbei wird Ihre Geschichte dadurch auch lebhafter und interessanter für Ihre Leser, und diese wollen Sie schließlich erreichen, nicht wahr? Auch können Sie durch diese kleine Selbstkontrolle die sprachliche Vielfalt und Ambivalenz Ihres Textes steigern.

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6. Die eigene Stimme finden
Immer wieder liest man in Schreibratgebern, dass man nicht nach Klischee schreiben soll, sondern nur eine originelle Geschichte gut ankommt. Wenn Sie sich aber in den Buchhandlungen umschauen, dann werden Sie bemerken, dass es möglich ist, den Büchern eines Genres eine Schablone aufzulegen, die auf alle passt. Sollten Sie also doch so schreiben wie alle anderen? Auf keinen Fall! Auch wenn die Struktur von Krimis oder Liebesromanen in den meisten Fällen dieselbe ist, so findet sich doch immer etwas Besonderes darin: die unverwechselbare Erzählstimme eines Autors/einer Autorin. Sie veranlasst den Leser dazu, doch immer wieder zu einer/einem bestimmten Schriftsteller/in zu greifen, anstatt nur irgendein beliebiges Buch aus demselben Genre zu wählen.
Um ein gutes Buch zu schreiben, müssen Sie Ihre eigene, unverwechselbare Erzählstimme finden. Das macht sie nicht nur einzigartig, durch den Wiedererkennungswert bauen Sie sich eine treue Leserschaft auf, die immer wieder gern zu Ihren Werken greift.

7. Kontinuität
Schreiben Sie täglich! Setzen Sie sich eine feste Zeit am Tag und legen Sie auch fest, wie lange Sie schreiben möchten. Selbst wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen nichts einfällt, schreiben Sie einfach drauf los, sollte das zuerst auch nur der größte Blödsinn sein, den Sie je zu Papier gebracht haben. Speichern Sie Ihren Text ab und schauen ihn sich am nächsten oder übernächsten Tag noch einmal an. Vielleicht gefällt Ihnen ja doch die eine oder andere Passage oder zumindest die Idee? Dann arbeiten Sie sie aus. kürzen und streichen können und sollen Sie am Ende immer noch.

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8. Plausibilität überprüfen
Es ist ein gutes Gefühl, den Schlusspunkt eines Manuskripts zu setzen. Sie haben Ihr Werk vollendet und es geschafft, ein ganzes Buch zu Ende zu schreiben. Herzlichen Glückwunsch!
Nun geht es an den weniger schönen Teil des Schriftstellerdaseins, das Überarbeiten. Egal wie gut Sie während des Schreibens aufgepasst haben, bei einem zweiten Durchgang werden Sie Passagen finden, bei denen Sie denken: „Habe ich das wirklich so geschrieben?“ Überarbeiten Sie Ihren Text, wo immer es Ihnen notwendig erscheint. Achten Sie dabei vor allem auf die Logik im Text. Ist es plausibel, wie Peter in eine 1.000 Kilometer entfernte Stadt kommt oder ist er plötzlich einfach dort? Auch in einer Fantasygeschichte ist die interne Logik im Text wichtig. Magie ist niemals willkürlich, sondern folgt bestimmten Regeln, die Sie vorher festsetzen und in Ihrer Geschichte einhalten müssen. Prüfen Sie Ihre Geschichte darauf, ob diese Regeln jederzeit eingehalten wurden.

9. Keine Angst vorm Rotstift
Auch wenn es weh tut, kürzen Sie Ihren Text bei der Überarbeitung! Streichen Sie alle Füllwörter und überlegen Sie sich gut, ob eine Nebenhandlung nicht zu sehr von der Hauptgeschichte ablenkt. Bemerken Sie, dass dies der Fall ist, streichen Sie den Abschnitt. Hängt Ihr Herz sehr daran, können Sie diesen ja in einer Extradatei abspeichern, um ihn eventuell in einem anderen Buch leicht verändert doch noch zu verwenden. In den meisten Fällen werden Sie den gestrichenen Text aber schon bald vergessen haben.

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10. Mit Alternativen spielen
Wenn Sie verschiedene Versionen einer Szene im Kopf haben, schreiben Sie ruhig beide auf. Legen Sie sie nebeneinander. Welche gefällt Ihnen besser? Ist diese Version dem weiteren Verlauf Ihrer Geschichte zuträglich?
Nun überarbeiten und kürzen Sie beide Versionen und vergleichen sie erneut. Stellen Sie sich dabei wieder die Frage, welche der Versionen besser in Ihre Geschichte passt, und verwenden Sie diese. Falls Sie sich von der anderen Version noch nicht ganz trennen wollen oder sich noch nicht ganz sicher sind, speichern Sie doch diese ebenso wie die herausgestrichenen Passagen in einer Extradatei. Dann können Sie gegebenenfalls später nochmal darauf zurückgreifen.

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