Vom Goldgräber zum Schriftsteller – die kuriosen Werdegänge bekannter Autoren

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Mark Twain? „Natürlich kenne ich den“, werden Sie jetzt wohl sagen, „das ist doch der mit Huckleberry Finn und Tom Sawyer.“ Wenn wir die Namen bekannter Autoren irgendwo hören, können wir ihnen oft schnell eines ihrer Werke zuordnen, das eine oder andere haben wir vielleicht selbst gelesen. Doch wie gut kennen wir uns eigentlich mit den persönlichen Werdegängen unserer Lieblingsautoren und anderer Größen der Literaturwelt aus?  Und wie wird man eigentlich Schriftsteller?
Wir wollten es mal ganz genau wissen und sind bei unserer Recherche auf einige verblüffende Ergebnisse gestoßen. Nicht wenige Autoren sind erst über Umwege zur Schriftstellerei gelangt – einige besonders bemerkenswerte Fälle möchten wir Ihnen nicht vorenthalten.

Agatha Christie – die professionelle Giftmischerin

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Agatha Christie ist heute eine der bekanntesten Krimiautorinnen überhaupt. Die Engländerin wurde 1890 in Torquay geboren und verfasste über 60 Romane, 23 Bühnenstücke, zahlreiche Kurzgeschichten und auch zwei Autobiografien. Bevor sie jedoch zu Feder und Papier griff, um sich als Schriftstellerin ihr Geld zu verdienen, wollte sie eigentlich Musikerin werden und nahm ein entsprechendes Studium in Paris auf. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges hängte sie das Studium jedoch an den Nagel und kehrte nach England zurück, um als Krankenschwester für das Britische Rote Kreuz und in einer Apotheke zu arbeiten. Nicht von ungefähr kommen also Christies Kenntnisse über Gifte, die sie in ihre Kriminalgeschichten immer wieder geschickt einfließen lässt.
Später war die Autorin an verschiedenen archäologischen Ausgrabungen im Nahen Osten beteiligt, die sie gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Max Mallowan durchführte und auch maßgeblich finanziell unterstützte. Ihre Faszination für die arabischen Länder verarbeitete sie ebenfalls in vielen Werken, beispielsweise in ihren Kriminalgeschichten „Mord im Orient-Express“ oder „Der Tod auf dem Nil“.
Karl May – der gesuchte Gauner

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Für viele sind sie die Helden der Kindheit: der Indianer Winnetou und Old Shatterhand, Schöpfungen des deutschen Autors Karl May. Kaum ein anderer schrieb so viele Abenteuerromane wie er, Karl May gilt als einer der produktivsten Autoren überhaupt.
Mindestens ebenso abwechslungsreich und ungewöhnlich wie seine Geschichten war Mays eigenes Leben. Eigentlich war er ausgebildeter Lehrer, doch diese Berufskarriere endete jäh, als er 1860 von seinem damaligen Zimmergenossen wegen der widerrechtlichen Benutzung der von ihm ausgeborgten Taschenuhr angezeigt wurde. May hatte die Uhr mit in die Winterferien genommen, ohne das vorher mit dem Eigentümer abzusprechen. Heute kaum vorstellbar: Für dieses Vergehen wurde May zu einer sechswöchigen Haftstrafe verurteilt, außerdem wurde ihm die weitere Laufbahn als Pädagoge verwehrt.
Ab diesem Zeitpunkt wird es turbulent: May war immer wieder bemüht, sich sein tägliches Brot auf ehrliche Weise zu verdienen, das scheinbar schnelle Geld durch Gaunereien war dann aber doch zu verlockend. Im Laufe seines Lebens saß May zwei mehrjährige Gefängnisstrafen ab, weil er wiederholt bei Betrügereien, Diebstählen und Hochstaplereien erwischt wurde. Immerhin fand er in seinen Zellen die Zeit, von fernen Ländern zu träumen und Ideen für zahlreiche Abenteuergeschichten zu entwerfen.
Nachdem er wieder die Luft der Freiheit atmete, wendete sich endlich sein Blatt: Er erhielt eine feste Anstellung bei einer Zeitung und feierte nach anfänglichen Schwierigkeiten seinen schriftstellerischen Durchbruch. May könnte glatt selbst seinen Buchseiten entsprungen sein: Sein Steckbrief zierte die Wände so einiger Wachtmeisterstuben.
Mark Twain – Schiff ahoi

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Mark Twain hieß eigentlich Samuel Langhorne Clemens und stammte aus Florida in Missouri. An eine Karriere als Schriftsteller dachte er wohl gar nicht, als er 1857 im Alter von 21 Jahren als Schiffslotse anheuerte. Nachdem er seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hatte, war er zwei Jahre in diesem Beruf tätig. Über Umwege übers Militär verschlug es ihn in den Westen und er verdingte sich als Goldgräber in den Minen von Virginia City. Die beschwerliche Arbeit ließ ihn jedoch bald einen neuen Weg suchen: Ab sofort berichtete er als Reporter der Zeitung „Territorial Enterprise“ vom Leben in der Goldgräberstadt, bis er Virginia City 1863 nach einem Streit verlassen musste.
Twains Leben blieb vorerst unstet, es war geprägt von häufigen Wohnortwechseln und jeder Menge Alkohol. Jedoch geschah es gerade in dieser Zeit, dass der Autor erstmals ernsthaft seine schriftstellerische Karriere vorantrieb. Schließlich schaffte er mit ersten Geschichten wie „The Celebrated Jumping Frog of Calaveras County“ seinen Durchbruch, viele weitere, heute aus dem Literaturkanon nicht mehr wegzudenkende Werke folgten.

John Grisham – im Namen des Volkes

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Es kommt nicht von ungefähr, dass die meisten Romane des US-amerikanischen Autors John Grisham in Gerichtssälen spielen: Der Schriftsteller ist nämlich eigentlich studierter Rechtsanwalt. Knapp zehn Jahre arbeitete er als Strafverteidiger und Anwalt für Zivilsachen, bevor er eine Karriere als Schriftsteller einschlug. Zudem gehörte er über mehrere Jahre als Vertreter der Demokratischen Partei dem Repräsentantenhaus des Bundesstaates Mississippi an.
Zahlreiche  Anregungen für seine Bücher holte er sich aus dem eigenen Berufsleben. Die Idee für seinen Debütroman „Die Jury“ basierte beispielsweise auf einer wahren Begebenheit. Grisham gab seinen Posten als Anwalt bald auf, auch von seinen politischen Ämtern zog er sich zurück, um fortan hauptberuflich als Schriftsteller zu arbeiten. Einige seiner Romane sind mittlerweile auch erfolgreich verfilmt worden, beispielsweise „Die Firma“, „Das Urteil“ oder „Der Klient“.
Dan Brown – der fahrende Sänger

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Wer hätte es gedacht? Der Schöpfer des eher konservativen Symbologen Robert Langdon, der in Beststellern wie „Sakrileg“ und „Illuminati“ die eine oder andere Verschwörung aufdeckt, hat eine besondere musikalische Ader. Zu seiner Collegezeit war Brown Mitglied im Amherst College Glee Club, einem Männerchor, mit dem er 1983 eine Tournee durch mehrere europäische Städte unternahm und später auch Auftritte in US-amerikanischen Botschaften rund um die Welt hatte.
Nach seinem Collegeabschluss in den Fächern Englisch und Spanisch schien der Weg klar: Brown wollte Sänger und Liedermacher werden. Er brachte sich selbst das Komponieren bei und veröffentlichte kurze Zeit später über sein eigenes Plattenlabel Dalliance sein erstes Werk, eine Kassette für Kinder. Eine Übersiedlung nach Los Angeles sollte seine musikalische Karriere weiter vorantreiben. Es folgten in den nächsten Jahren zwei CDs, die allerdings nur wenig Beachtung fanden, weshalb sich Brown schließlich aus dem Musikgeschäft zurückzog und als Lehrer arbeitete.
Mitte der 90er Jahre veröffentlichte Brown sein erstes Buch „187 Men to Avoid: A Survival Guide for the Romantically Frustrated Woman“, 1998 folgte „Diabolus“, 2000 „Illuminati“ und 2001 „Meteor“. Der große Durchbruch gelang ihm schließlich 2003 mit der Veröffentlichung von „Sakrileg“.
Erfolgsgeschichten aus den eigenen Reihen

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Niemand weiß so gut wie wir beim Vindobona Verlag, dass der Weg hin zum ersten Buch und zur Autorschaft nicht immer geradlinig verläuft. Man muss nicht unbedingt Literaturwissenschaft studiert haben, um sich mit seinem eigenen Buch erfolgreich am Markt zu platzieren.
Erst vor wenigen Wochen hat unser Autor Andreas Kollross gemeinsam mit uns seinen fulminanten Debütroman Erwachen – in einer anderen Welt veröffentlicht. Auch er ist ein Quereinsteiger: Kollross ist eigentlich Politiker und seit mehreren Jahren Bürgermeister in der kleinen österreichischen Gemeinde Trumau. Und wer hätte gedacht, dass das spirituelle Werk Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir „sind alle eins“! von Kirsten Hariett Repp ausgerechnet aus der Feder einer Finanzfachfrau stammt?

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Dieser kleine Ausflug in die Biografien einiger Schriftsteller zeigt uns, wie unterschiedlich die Wege zum ersten veröffentlichten Buch sein können. Es gibt nicht lediglich ein Erfolgsrezept für eine Karriere als Autor, jedes schriftstellerische Werk erzählt seine ganz eigene Geschichte. Vielleicht gesellt sich Ihre bald dazu?

 

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